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Sturm auf die Zeidlerburg

Der Wetterbericht hatte in den letzten Tagen für heute Dauerregen angesagt. So sind wir froh, dass es wenigstens nicht regnet, als wir uns kurz vor 8 Uhr am Bahnhof Niedersedlitz treffen. Nachdem wir auf dem Vorplatz die Bildung von Kleingruppen erfolgreich abgeschlossen haben, wird es auch schon Zeit, uns auf den Bahnsteig zu begeben. Da es heute nach Böhmen gehen soll, haben wir uns etwas früher getroffen, was der guten Stimmung aber keinen Abbruch tut. Zunächst fahren wir mit der S-Bahn kurz nach 8 Uhr bis Bad Schandau. Dort warten wir dann einige Minuten auf die Nationalparkbahn aus Decin. Mit dieser geht es weiter in Richtung Sebnitz, wo wir die Grenze nach Tschechien überqueren. Die vierte Station nach der Grenze ist Mikulášovice dolní nádraží (Nixdorf Niederer Bahnhof). An diesem gigantischen Eisenbahnknotenpunkt verlassen wir unseren modernen Nahverkehrs-Triebzug und ein kleines Abenteuer beginnt. Dem an Ordnung im Bahnbetrieb gewöhnten deutschen Normalbürger ist es doch schon etwas suspekt, quer über die Gleise zu seinem Anschlusszug zu hoppeln. Als wir den hypermodernen Schienenbus besteigen, umweht uns ein Hauch von Nostalgie, den die Originalausstattung aus den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts verströmt. Dieses Gefühl verstärkt sich noch, als sich das Fahrzeug in Richtung Krasna Lípa in Bewegung setzt und wir jeden Schienenstoß im ganzen Körper spüren. Für 3 Stationen lässt sich das aber ganz gut aushalten. Dann verkündet der bärtige Lautsprecher den Halt in Brtníky, wo wir die Bahn verlassen.

Wir befinden uns nun im ehemaligen Zeidler. Bis 1945 besaß der Ort mehrere Firmen von Weltruf aus der Spitzen- und Strumpfwarenindustrie, wodurch er einige Bekanntheit besaß. Heute ist kaum noch etwas übrig davon. Nachdem die Kirche des Ortes in den 70er Jahren eingestürzt und abgetragen wurde, zeugt im Zentrum lediglich eine alte Villa, das heutige Behindertenheim, vom einstigen Reichtum. Gegen 10:20 Uhr setzen wir uns am Bahnhof in Richtung Ort in Bewegung. An der Hauptstraße halten wir uns rechts und biegen direkt hinter dem Behindertenheim links in eine Nebenstraße ab. Diese ist als Wanderweg mit dem grünen Strich markiert. Leider wird nun der einsetzende Nieselregen etwas stärker, sodass wir erstmal unseren Regenschutz aktivieren. Wenige Meter weiter wenden wir uns nach rechts. Gleich darauf beschreibt der Weg eine Linkskurve. An der folgenden Weggabelung halten wir uns links. Wir passieren ein Gehöft. Knapp 100 m hinter dem Gebäude zweigt ein Trampelpfad nach rechts ab. An einem Mast erkennen wir die grüne Markierung und wir folgen dem Pfad bergan. Auf der Höhe angekommen sagt uns ein Wegweiser, dass wir uns an der Kreuzung "Nad Brtníky (444 m)" befinden. Hier stoßen wir zum ersten Mal auf eine Wegmarkierung mit diagonal geteiltem hellblau/weißen Quadrat. Sie wird uns ab hier für eine ganze Weile begleiten. Wir folgen ihr nun nach links und gehen auf dem sich schwach in Gras abzeichnendem Weg in Richtung einer Baumreihe, die die Weidefläche teilt. Nach knapp 600 m erreichen wir im Tal eine Straße, auf die wir nach rechts einbiegen. Etwa 150 m weiter talwärts beschreibt die Straße eine Linkskurve. Hier verlassen wir diese nach rechts und erreichen nach wenigen Schritten eine markante Wegkreuzung. Der aufgestellte Wegweiser bezeichnet die Kreuzung mit dem Namen "Vlcí potok - U jezevce" . Die blau/weiße Markierung weist hier nach rechts. Auf diese Weise gelangen wir nun ins Tal des Wolfsbaches (Vlcí potok). Die Fließrichtung des Baches stimmt mit unserer Bewegungsrichtung überein - ein Beweis für die Wahrheit der Behauptung des Wandesleiters, dass es heute eh nur bergab geht. Für die nächsten 2,5 km folgen wir nun dem Lauf des Baches durch ein ruhiges, romantisches Tal. Dann stoßen wir auf die nächste markante Wegkreuzung. Die Bezeichnung auf dem Wegweiser lautet: "Vlcí potok - u skály" . Wir entscheiden uns an dieser Stelle für den rechten, scheinbar bergan führenden Weg (was natürlich täuscht). Immernoch begleitet uns die blau/weiße Markierung. Der grob gepflasterte Weg ist nun auf den nächsten Metern aus unerfindlichen Gründen etwas anstrengend, obwohl er doch eigentlich gar nicht bergan geht. Nach ca. 300 m erkennen wir links wieder einen Wegweiser mit der Aufschrift "Brtnický hrádek 0,2 km". Da sich die Wandergruppe hier etwas in die Länge gezogen hat, warten wir erstmal auf die Letzten, bevor wir dem Wegweiser nach links folgen. Auf den nächsten Metern erwartet uns ein ständiges Auf und Ab über in den Stein gehauene Stufen. Am Ende erklimmen wir ein kleines Felsplateau. Darauf befindet sich ein fast quadratischer Felsblock mit Loch in der Mitte. Dabei handelt es sich um die in den Fels gehauenen Grundmauern eines hölzernen Wachturms, der einst zur Burg auf der Zeidler Heide (auch Räuberschloss genannt) gehörte. Heute wird dieser Ort Zeidlerburg (Brtnický hrádek) genannt. Ort und Zeit sind für eine ordentliche Rast wie geschaffen. Wir lassen uns auf dem Felsen nieder und holen auch ordentlich was aus unseren Rucksäcken heraus. Aus vorbeugenden medizinischen Gründen verteilen die Wanderleiter bei dieser Gelegenheit auch einen Schluck roter Vitamine an die Truppe.

Nach etwa 35 min haben wir uns so weit erholt, dass wir die nächste Etappe in Angriff nehmen können. Wir gehen die 200 m über die vielen Treppen zurück zum Wanderweg und biegen links ab. Schon nach 150 m erkennen wir auf der rechten Seite einen in den Felsen gehauenen Spalt. Dies ist der Eingang zum Großen Preußenlager (Velký Pruský tábor) . Wir quetschen uns durch den Spalt und steigen gleich links die Stufen hinunter. So erreichen wir einen großen Felsüberhang. Die angebrachte Tafel berichtet, dass sich hier einst die Einwohner der umliegenden Dörfer vor den Preußen versteckten. Die Tafel ist zwar sehr tschechisch, doch Frau Wanderleiterin überzeugt mit ihrer Übersetzung.

Nach der Besichtigung kehren wir auf den Weg zurück und folgen weiter der Wegmarkierung. Nach knapp 2 km wird der Wald auf der rechten Seite etwas lichter und einige Gebäude sind zu erkennen. An dieser Stelle befand sich früher das Jagdschloss Sternberg (Sternberk). An der ersten Kreuzung biegen wir nun nach links in einen breiten unmarkierten Forstweg ab. Der Weg führt ab hier 500 m geradeaus in ein Tal hinein. Dort überqueren wir einen Bach, wenige Meter weiter zweigt links neben einer Futterkrippe ein Weg ab. Wir biegen in diesen ein. Er führt uns inmitten wilder Natur durch den Salichgrund hinunter ins Zeidlerbachtal. Im Tal endet der Weg und wir wenden uns nach rechts. Noch 500 m und wir sehen die ersten Häuser der Ortschaft Hemmehübel (Kopec) . An der Kreuzung im Ort stoßen wir direkt auf das einzige Gasthaus weit und breit - Hospoda U Oty (Bei Otto). Hier sind wir für 13:30 Uhr angemeldet und treten auf die Minute pünktlich durch die Tür. Jetzt gibt es endlich ein böhmisches Bier, dunkel, blond oder österlich grün. Aber auch das gute Essen lohnt einen Besuch bei Otto, dem Wirt. Die speziellen Spirituosen vom Wirt seien hier nur am Rande erwähnt.

Nach knapp 2 Stunden verlassen wir rundum zufrieden das Wirtshaus. Vor der Tür wenden wir uns nach rechts, biegen gleich wieder rechts ab und entscheiden uns spontan für den falschen Weg. Eigentlich wäre der rechte steilere Weg der Richtige. Wir gehen an der Gabelung nach links, korrigieren unseren Fehler aber kurze Zeit später mit einem Marsch über die Böschung. Oben stoßen wir wieder auf den richtigen Weg. Immer geradeaus ziehen wir vorbei an den letzten Häusern des Ortes. Kurz danach überqueren wir einen Weg und gehen weiter geradeaus. Jetzt führt unser Weg in den Wald hinein. Nach 500 m erreichen wir eine Weggabelung. Heute verlädt genau hier ein oberfleißiger Waldarbeiter mit seinem Großgerät Baumstämme. Das lenkt nicht nur den Wanderleiter irgendwie ab. Deshalb gehen wir geradeaus weiter. Richtig wäre gewesen, hier rechts abzubiegen und dem Waldweg immer weiter zu folgen. Der Wanderleiter bemerkt den Fehler aber relativ schnell und wir korrigieren abermals unsere Richtung mit einem kurzen Marsch durch's Unterholz. Knapp 400 m nach der Gabelung stoßen wir wieder auf eine Kreuzung. Da hier wieder markierte Wanderwege verlaufen, steht an dieser Kreuzung wieder ein Wegweiser, der den Namen "Kostelní stezka" (Kirchweg) trägt. Nach den kurzen Orientierungsschwächen des Wanderleiters hat seine Gattin durchblicken lassen, dass ihr das so nicht passiert wäre. Deshalb stellen wir die Ortskenntnis von Frau Wanderleiterin kurz auf die Probe. Das Ergebnis rückt die Welt für den Wanderleiter wieder gerade - sie fällt nämlich durch. Schlussendlich ist es die richtige Entscheidung, wenn wir hier links abbiegen und von nun an der grünen Wanderwegmarkierung ins Tal folgen. Das erweist sich als durchaus anspruchsvolle Aufgabe, da sich die Zunft der Holzfäller nach den Stürmen des Winters in dieser Gegend durchaus fleißig gezeigt hat. Es erfordert hier und da etwas Spürsinn, die grünen Markierungen an den Bäumen zu finden. Erst mäßig, dann nach einer Rechtskurve immer steiler geht es bergab ins Weißbachtal. Der Weißbach markiert auf der Talsohle auch die Grenze zwischen Tschechien und Deutschland. Der Grenzübertritt gestaltet sich dann etwas abenteuerlich. Eine Brücke über den Bach gibt es nicht. Wir hangeln uns irgendwie übers Gewässer, schlagen uns auf der anderen Seite durchs Unterholz die Böschung hinauf und erreichen so den rettenden Weg. Wieder einmal stellt sich die Frage: Wie weiter? Der auf der deutschen Seite mit gelbem Strich markierte Wanderweg führt halbrechts (natürlich nur scheinbar) bergan aus dem Tal hinaus. Der Weg nennt sich Bammelweg. Oben erreichen wir eine Kreuzung. Wir überqueren die Kalkstraße und folgen dem gelben Strich auf der anderen Seite wieder talwärts. An einer Furt kreuzen wir im nächsten Tal den Heidelbach. Gleich danach stoßen wir neben einem Rastplatz auf den rot markierten Wanderweg. Wir biegen nach links in diesen ein. Auf dem Heidelbachweg gehen wir nun ca. 700 m, dann erkennen wir auf der rechten Seite ein Gebäude. Es handelt sich um die Obere Mühle. Auf diese halten wir jetzt zu und betreten den Hof des Anwesens. Im Gebäude befindet sich eine Pension und eigentlich keine öffentliche Gaststätte. Doch auf Nachfrage bietet sich für uns die Möglichkeit Getränke zu ordern. Wir lassen uns im Hof nieder und genießen je nach Geschmack ein Kaffee- oder Hopfengetränk in der spätnachmittäglichen Sonne. Bei so viel Genuss vergeht schnell eine Dreiviertelstunde.

Langsam wird es Zeit, sich um den Heimweg zu sorgen. Ein Stück des Weges liegt noch vor uns. Also auf! Wir gehen ein paar Schritte gegen die Fließrichtung des Heidelbaches und überqueren ihn auf einem Holzsteg. Jenseits des Baches zieht sich ein Pfad den Hang hinauf. Oben am Waldrand stoßen wir auf den Kalkbuschweg, der weiter durch den Wald bergan führt. Das letzte Stück verläuft der Weg dann über eine Wiese, bevor wir den breiten Schotterweg "Am Langk" erreichen. In diesen biegen wir nach rechts ein und gehen 500 m geradeaus, während wir die herrliche Aussicht genießen. An der Kreuzung in der Nähe des Aussichtspunktes Emmabank entscheiden wir uns für den Weg geradeaus über die Wiese. Von nun an geht es talwärts. Dem Weg in mehreren Biegungen folgend erreichen wir die ersten Häuser von Hinterhermsdorf. Vor uns thront die Engelkirche auf einer Anhöhe. Da wir bis zur Abfahrt unseres Busses noch etwas Zeit haben, entschließen wir uns zu einem Abstecher dahin. Oben lassen wir noch einmal Aussicht und Abendsonne auf uns wirken.

Für den Abstieg nutzen wir die Stufen, die vom Tor aus hinunter zur Neudorfstraße führen. Noch einmal müssen wir scharf rechts abbiegen. Dann sind es nur noch 150 m geradeaus und wir sind am Ziel unserer Tour. An der Haltestelle Erbgericht warten wir noch einige Minuten auf unseren Bus, der uns dann nach Bad Schandau bringt. Dort steht schon die S-Bahn nach Dresden für uns bereit.

Auch wenn es heute ziemlich spät geworden ist, sind sich doch alle 22 Wanderfreunde einig, dass es wieder ein gelungener Tag war. Und nachdem der Wanderleiter in der Bahn noch die obligatorischen Urkunden verliehen hat, kann sich auch jeder merken, wo wir heute waren.

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Im Wolfsbachtal
Im Wolfsbachtal


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Aufstieg zur Zeidlerburg
Aufstieg zur
Zeidlerburg


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Kellergeschoss der Zeidlerburg
Kellergeschoss der
Zeidlerburg


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Das Große Preußenlager
Das Große Preußenlager


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Im Zeidlerbachtal
Im Zeidlerbachtal


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Heiligenbild vor Hemmehübel
Heiligenbild
vor Hemmehübel


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Gasthaus U Oty in Hemmehübel
Gasthaus U Oty
in Hemmehübel


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Die Obere Mühle
Die Obere Mühle


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Die Kirche von Hinterhermsdorf
Die Kirche
von Hinterhermsdorf